Ein Beispiel aus der Praxis, wie der Anschluss an soziale Netzwerke funktionieren kann: Ein Verband modernisierte sich digital komplett von analoger Darstellung und Öffentlichkeitsarbeit hin zu einem modernen Internetauftritt, angeschlossen an die sozialen Netzwerke. Wie das funktionierte und mit welchem Ergebnis erzählt uns heute die Digital Crossmedia Journalistin und Inhaberin von Content Crossmedial Frauke Döllekes. 

Ein konkretes Beispiel

Sie stellt sich den Fragen der Blog-Redaktion, die konkret anhand eines Beispiels von Erfahrungen wissen wollte, wie so ein Anschluss funktionieren kann. Das Ziel des Verbandes war es, eine bessere digitale Wahrnehmung zu erzielen. Der Verband wollte besser gefunden werden und auf sich aufmerksam machen. Das Ergebnis: Es kam nach Anschluss der Webseite an die sozialen Netzwerke deutlich mehr Resonanz in der Außenwahrnehmung. Sehr viel mehr Menschen fanden die Webseite im Internet.

Redaktion: Was meinst Du, waren die Schlüssel für den Erfolg? Habt Ihr so viel „getrommelt“, wie es jetzt häufig in den sozialen Medien geschieht? 

Frauke Döllekes: Nein, ganz und gar nicht. Der Verband arbeitet inhaltlich auf einem sensiblen Gebiet im Gesundheitssektor. Da sind wir sehr vorsichtig gewesen. 

Redaktion: Was bedeutet das? 

Frauke Döllekes: Wir haben Schritt für Schritt geschaut, welche Basis wir schaffen und wie wir sie dann mit den sozialen Netzwerke verknüpfen können. Vor allen Dingen haben wir Sicherheitseinstellungen und mögliche Einschränkungen von Kommentarfunktionen berücksichtigt.  

Alte Struktur komplett modernisiert

Redaktion: Das war sicherlich eine Herausforderung, oder? Denn soweit ich recherchiert habe, hatte der Verband eine lange Tradition. 

Frauke Döllekes: Ja, es gab ihn seit fast 30 Jahren. Ich fand dort eine sehr veraltete Struktur vor, die durchaus ihren Charme hatte, aber den modernen digitalen Herausforderungen keineswegs entsprach. Es wurde noch viel mit Papier, Kopien, herkömmlicher Buchhaltung und Faxen gearbeitet. Eine alte Webseite diente als Adresse im Internet, hatte eine kaum lesbare URL, also Webseitenname und wenig Spielraum für Gestaltungen oder Aktionen. Das war der erste Schritt. 

Redaktion: Einen technisch einwandfreien Internetauftritt?

Frauke Döllekes: Ja, genau. Das war auch unser Start. Wir setzten in Zusammenarbeit mit dem Team eine moderne, dynamische Webseite auf – also eine, auf der Bewegung stattfinden konnte. Wir richteten eine Blogfunktion ein und schrieben regelmäßig Artikel, die kommentiert werden konnten. Darüber hinaus verschickten wir sie in einem Newsletter. Der Verband konnte damit gleichzeitig Mitgliederpflege betreiben. 

Redaktion: Und dann wurden Sie sofort gefunden?

FD: Nein, das wäre ja zu schön gewesen. Das glauben heute aber immer noch sehr viele Unternehmer:innen, dass eine gute und technisch hochwertige Webseite automatisch gefunden werden müsste und neue Kunden oder Klienten bringt. Doch so einfach ist es nicht. 

Redaktion: Also waren weitere Maßnahmen nötig? 

FD: Ja, wir empfahlen dem Vorstand, bei Facebook aktiv zu werden und dort zu kommunizieren. Der Vorteil von gut geschriebenen Blogbeiträgen ist ja, dass man sie wunderbar mit den sozialen Netzwerken verknüpfen kann. Wir vernetzen also im nächsten Schritt alle Kanäle miteinander, auf denen sich die Mitarbeiter des Verbandes zunehmend austauschten. Langsam kam Bewegung ins Kommunikationsgeschehen. Wir merkten relativ schnell, dass sich dort etwas tat. Es kamen zunehmend mehr Anrufe und Reaktionen von außen. 

Redaktion: Das war es? Oder habt Ihr noch mehr Maßnahmen ergriffen. 

Stetige Vernetzung

FD: Wir haben dann wenige Monate später noch Kurzinterviews bei Youtube eingestellt. Die kamen sehr gut an und wir konnten Webseite, Facebook und Youtube wiederum verknüpfen. Das waren für ihren Bedarf vier sehr wertvolle Möglichkeiten.  

Redaktion: Das heißt, das würdest Du allen empfehlen, weil es für den Verband funktionierte?

FD: Nein, keinesfalls. Es gibt nicht DEN Weg in der Nutzung der sozialen Netzwerke. Es kommt immer sehr darauf an, was der Kunde, das Unternehmen, der Verein erreichen möchte. Wo erreicht er seine Kunden und was möchte er. Austauschen? Werben? Informieren? Vernetzen? 

Dafür sollte man die einzelnen Funktionen der Kanäle kennen. Für den Verband war es super, denn die Zielgruppe konnte genau dort erreicht werden. 

Redaktion: Wie habt Ihr gemerkt, dass es funktionierte?

FD: Naja, das war ganz einfach. Es riefen einfach immer mehr Interessierte an und erkundigten sich. Wir fragten nach und die Trefferquote lag bei über 90 %, sie kamen über Google, die Webseite und den sozialen Netzwerken. 

Redaktion: Wie lange dauerte es, bis das spürbar war? 

FD: Das geht nicht von gleich auf jetzt. Nach etwa anderthalb Jahren wurde das langsam zum Selbstläufer mit weniger Aktivitäten. Der Verband war entsprechend platziert, positioniert und wurde gefunden. Wie gesagt, um mehr sollte es nicht gehen. Es ging nicht um Umsatz, es ging nicht um Werbung, es ging schlichtweg darum, besser auffindbar zu sein. Denn davon lebt doch ein Verein. Von den Menschen, die Hilfe suchen. 

Redaktion: Das heißt, Du würdest in jedem Fall empfehlen, dort aktiv zu werden?

FD: Absolut. Ich würde sogar noch weiter gehen. Es ist ein Muss. Ohne eine gute An-, Einbindung der Webseite an die sozialen Netzwerke wird es immer schwieriger werden, auf sich aufmerksam zu machen. 

Redaktion: Das kann jeder selber? 

FD: Ich würde immer empfehlen, jemanden zu Rate zu ziehen, der sich dort bewegt. Denn sie kennen die Kanäle und ihre Funktionalitäten, Bedingungen, rechtliche Notwendigkeiten, wie z.B. so etwas Simples wie ein Impressum. Das ist dort einfach Pflicht. Wir sollten uns nicht nur unsere Kinder verlassen, die die Plattformen ja ganz anders nutzen. Es ist ein großer Unterschied, ob wir einfach kommunizieren oder die Plattformen professionell nutzen.

Redaktion: Aber es gibt doch auch andere Wege…

FD: Ja, klar. Man kann klassische Öffentlichkeitsarbeit machen, Anzeigen schalten, online & offline, versuchen mit einer tollen Story in die Zeitung zu kommen. Aber ganz ehrlich, es hat nicht jeder eine tolle Story oder wenn er eine hat, kommt er von allein nicht immer darauf.

Redaktion: Was ist mit Büchern? 

FD: Geht auch. Super Weg. Alle Welt schreibt gerade Bücher. Bei Facebook hat man den Eindruck, die soziale Netzwerkwelt ist ein Pool neuer Autoren. Ich finde das super, aber ganz ehrlich? Wer hat die Zeit dazu unter den Solo-Selbstständigen oder den kleinen Firmen. Ich habe selber zwei geschrieben und weiß, wieviel Aufwand es ist. Das schreibt sich ja auch nicht eben mal über Nacht. Viele, gerade kleinere oder gar Einzelunternehmen, sind doch häufig viel zu sehr in ihrem Tagesgeschäft.  

Redaktion: Die Lösung? 

FD: Sehr genau hinschauen, was ich warum gerade benötige. Und sich vor allem Hilfe holen für die Dinge, die ich zeitlich nicht schaffe und mich beraten lassen. Klar sollte allerdings sein, dass heute zum Arbeitsalltag dringend die Präsenz und Pflege in sozialen Netzwerken gehört. Früher telefonierten wir mit Mitgliedern, Mitarbeitern, Kollegen. Heute können wir das auch elektronisch gewährleisten. Natürlich sollte der persönliche Austausch nie zu kurz kommen. Eine Kombination aus beidem – analoger & digitaler Kommunikation ist unerlässlich. Social Media so nebenbei zu machen und zu meinen, die Präsenz reiche aus. Das ist leider zu kurz gedacht. 

Redaktion: Aber viele scheuen doch genau diese Zeit und meinen, dass eine aktive Darstellung in den sozialen Netzwerken Zeitfresser sind und immense Kosten verschlingen. 

Pflege ist kein Zeitfresser

FD: Ja, und auch das ist ein Missverständnis. Zeitfresser sind es nicht, das können wir ja selber steuern. Die sozialen Netzwerke müssen als normaler Bestandteil alltäglicher Kommunikation verstanden werden. Dafür könnten andere entfallen. Vor allen Dingen muss es gar nicht teuer sein und der Aufwand ist überschaubar. Wie bei vielen Aufgaben kann ich diverse Aktivitäten delegieren. Ich habe bei vielen Kunden sehr gute Erfahrungen mit Blogbeiträgen gemacht. Die werden seo-relevant, also den Anforderungen der Suchmaschinen, entsprechend verfasst, vernetzt und haben gleich mehrere Funktionen gleichzeitig.

Redaktion: Die wären?

FD: Ich kann unabhängig von der Presse meine eigenen Berichte verfassen. Ich kann sie mit Social Media verbinden, mir einen Expertenstatus online aufbauen und gute Netzwerkarbeit betreiben, für Reichweite und damit Bekanntheit sorgen. 

Redaktion: Angenommen ich würde jetzt Blogbeiträge schreiben wollen und habe dazu keine Zeit? 

FD: Dann empfehle ich dringend, sich an jemanden zu wenden, der möglichst Journalist ist und schreiben gelernt hat. Dieser Journalist sollte auch digital wissen, was er wie schreiben muss. Die investierte Zeit dafür ist überschaubar. Ein guter Journalist erkennt und findet die Geschichten und hat „Futter“ für Blogbeiträge. 

Redaktion: Das hört sich perfekt an. Eine letzte Frage noch: Wie sieht es mit Quantität und Qualität aus in den sozialen Netzwerken?

FD: Ganz klar, gelten dort die gleichen Regeln und Maßstäbe wie im normalen analogen Leben. Wenn wir auf Qualität setzen, sollten wir diese auch im Netz einfordern und für uns in Anspruch nehmen. Das bedeutet z.B., dass wir sehr genau schauen sollte, mit wem wir uns warum und zu welchem Zweck auf welchem Kanal vernetzen und welche Themen, welchen Content ich anbiete. 

Redaktion: Also nicht Masse und Häufigkeit ist entscheidend? 

FD: Nein. Das gilt im Übrigen gleichermaßen für die Kommunikation untereinander. Es finden doch immer häufiger sehr eigenartige „Unterhaltungen“ statt. Es wird auf Fragen nicht geantwortet, die Hemmschwelle sinkt, es wird in Teilen diffamiert, beschimpft, schlecht recherchiert. 

Redaktion: Was dann tun?

FD: Das muss jeder für sich entscheiden, doch für mich ist diese Art Kommunikation indiskutabel. Wenn ich im realen Leben grundlos beschimpft werde, beginne ich doch auch nicht zu diskutieren oder mich zu rechtfertigen, sondern ziehe mich zurück. 

Redaktion. Zum Schluss, wenn jetzt jemand dieses Interview liest und Fragen zu sich oder seinem Business hat in Bezug auf die Darstellung im Internet und die sozialen Netzwerke. Was kann er tun?

Frauke Döllekes: Mich sehr gern kontaktieren über meine Webseite

2 Kommentare
  1. Sabine Felderhoff sagte:

    Liebe Frauke, das ist ein toller Artikel, der Branchenfremden zeigt, wie es geht und was der nächste Schritt ist. Leider ist der Punkt Qualität sehr oft ein Problem, das werden Landingpages massenhaft gefertigt, um Kundenansprache auf vielen Ebenen zu ermöglichen. Es hat natürlich auch immer mit dem Ziel zu tun, dass der Kunde definiert. Ist sein Ziel in erster Linie, viele neue Kunden zu gewinnen, geht es schnell über die Quantität. Ob der Kunde dann wirklich findet, was er gesucht hat und der Kontakt (Lead) als tatsächlicher Kunde gewonnen werden kann, bleibt dahingestellt. Ich plädiere ebenfalls dafür auf die inhaltliche, optische und technisch einwandfreie Qualität zu setzen. Danke für diesen informativen Artikel. Lieben Gruß, Sabine Felderhoff (recall)

    • fdoellekes2020 sagte:

      Liebe Sabine, ich danke Dir für Deine Stellungnahme und freue mich, dass Dir der Artikel gefällt. Und ja, klar, es kommt sehr drauf an, was das Ziel des Kunden ist und vor allem, was er anbietet. Die Vorgehensweise bei Produkten kann ja eine ganz andere sein als bei Dienstleistungen. Viele Menschen werden aber leider häufig aus nur einer Perspektive beraten und laufen dann in die Irre zu immens hohen Kosten. Eine fundierte Beratung ist daher das A & O, bevor ich mich auf den Weg begebe. Lieben Gruß, Frauke

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